Moody's warnt, dass der KI-Investitionsboom die finanzielle Stabilität von Technologiegiganten beeinträchtigt und der freie Cashflow von Unternehmen wie Microsoft (MSFT.US) und Oracle (ORCL.US) unter Druck gerät.
Da globale Technologieriesen verstärkt in den Aufbau von Infrastruktur für künstliche Intelligenz investieren, warnt die Ratingagentur Moody’s davor, dass der aktuelle Investitionsboom im Bereich AI den freien Cashflow großer Cloud-Computing-Anbieter schmälert und die Risiken auf deren Bilanzen erhöht. In Zukunft werden Investoren verstärkt darauf achten, ob diese Unternehmen in der Lage sind, aus den enormen Investitionen in AI ausreichende Renditen zu erzielen.
Das Finanznachrichtenportal hat erfahren, dass Moody’s Ratings warnt, während globale Tech-Giganten verstärkt in den Aufbau von KI-Infrastruktur investieren. Der KI-Investitionsboom verringert den freien Cashflow großer Cloud-Computing-Anbieter und erhöht die Risiken in deren Bilanzen. In Zukunft werden Investoren verstärkt darauf achten, ob diese Unternehmen aus ihren enormen KI-Ausgaben genügend Rendite erzielen können.
In einem diese Woche veröffentlichten Forschungsbericht erklärt Moody’s, dass sechs Technologieunternehmen – darunter Microsoft (MSFT.US), Amazon (AMZN.US), die Google-Mutter Alphabet (GOOGL.US), Meta (META.US), Oracle (ORCL.US) und CoreWeave (CRWV.US) – sich von den bisher auf Software, geistiges Eigentum und Cloud-Dienste fokussierten „Asset-Light“-Geschäftsmodellen wegbewegen und stattdessen eine „Asset-Heavy“-Strategie verfolgen, die einen massiven Aufbau von Rechenzentren und anderen Infrastrukturen erfordert.
Moody’s stellt fest, dass dieser Wandel beispiellose Kapitalinvestitionen und Finanzierungsvolumen verlangt und die Kreditwürdigkeit der genannten Unternehmen schwächen könnte.
Die Agentur erwartet, dass die Investitionen in KI-Infrastruktur weiterhin stark ansteigen werden. Für 2026 prognostiziert Moody’s, dass die Investitionsausgaben der sechs Unternehmen circa 785 Milliarden US-Dollar erreichen und bis 2027 sich weiter der Marke von 1 Billion US-Dollar annähern werden.
Der Bericht hebt hervor, dass generative KI im Vergleich zu traditionellen Software-Geschäften erheblich mehr Rechenzentren, GPU-Server und Hochleistungschips erfordert, was zu grundlegenden Veränderungen des seit langem auf hohe Profitabilität und stabile Bilanzstruktur ausgelegten Asset-Light-Modells in der Tech-Branche führt.
Zur Unterstützung der KI-Expansion verlassen sich die genannten Tech-Giganten inzwischen immer stärker auf Kapitalmarktfinanzierungen.
Laut Moody’s beträgt die direkte Verschuldung der sechs großen Cloud-Computing-Anbieter aktuell etwa 460 Milliarden US-Dollar. Zudem erhöhen Unternehmen ihre Finanzierungsaktivitäten am Kapitalmarkt, beispielsweise hat Alphabet im vergangenen Monat ein Aktienfinanzierungsprogramm mit einem Volumen von 85 Milliarden US-Dollar angekündigt.
Neben Fremd- und Eigenkapitalfinanzierung greifen immer mehr Unternehmen auf bilanzunabhängige Finanzierungsmodelle zurück, um die Bilanzbelastung zu verringern.
Moody’s erklärt, dass für KI-Hardware und Infrastruktur in der Anfangsphase enorme Investitionen notwendig sind, während die Ertragsfreisetzung vergleichsweise langsam erfolgt, was den freien Cashflow der Branche insgesamt kontinuierlich belastet. Um eine direkte Erhöhung der Verschuldung zu vermeiden, finanzieren Tech-Giganten zunehmend über langfristige Mietverträge für Rechenzentren.
Bis jetzt haben die sechs Unternehmen Verpflichtungen für Rechenzentrums-Mietverträge im Gesamtwert von circa 1,2 Billionen US-Dollar eingegangen, wovon über 820 Milliarden US-Dollar für Projekte vorgesehen sind, die noch im Bau und nicht in Betrieb sind.
Obwohl diese Mietverpflichtungen nicht als traditionelle Schulden in den Bilanzen erscheinen, betrachtet Moody’s sie im Kern als langfristige Verbindlichkeiten, die gleichwertig mit Schulden sind, da sie künftig zu hohen Mietzahlungsverpflichtungen führen werden.
Laut Moody’s verfügen Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta aktuell weiterhin über einige der weltweit stärksten Unternehmensbilanzen und kurzfristig ist eine Herabstufung des Investment-Grade-Ratings eher unwahrscheinlich.
Im Gegensatz dazu stehen Unternehmen mit niedrigerem Rating unter größerem Druck. Oracle hat derzeit eine Kreditbewertung von Baa2 mit negativem Ausblick, nur zwei Stufen über dem Junk-Rating; das auf KI-Cloud-Computing spezialisierte CoreWeave ist mit Ba3 klassifiziert und zählt damit zu den Hochzinsanleihen, wobei deren GPU-Infrastruktur primär auf komplexen privaten Fremdfinanzierungsstrukturen basiert.
Moody’s weist zudem darauf hin, dass aktuell in der KI-Branche eine zunehmend ausgeprägte „zirkuläre Ökosystem-Struktur“ entsteht.
Der Bericht erläutert, dass große Cloud-Service-Anbieter in den letzten Jahren Milliardeninvestitionen in AI-Start-ups wie OpenAI und Anthropic getätigt haben und dass diese AI-Unternehmen wiederum massiv Cloud-Ressourcen von Microsoft, Amazon und Google beziehen, was zu einem Kreislauf von Kapital, Kunden und Infrastruktur-Verflechtungen führt.
Moody’s betont, dass diese wechselseitigen Beteiligungen und Kundenbeziehungen die Branchenführer immer stärker von derselben Gruppe an AI-Kunden und der Annahme anhaltenden AI-Wachstums abhängig machen. Sollte die Nachfrage in der Branche hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnten damit verbundene Risiken simultan steigen.
Die Agentur stellt allerdings fest, dass der Bedarf an AI-Rechenleistung weiterhin hoch bleibt, das Cloud-Computing-Geschäft wächst stetig und die großen Cloud-Service-Anbieter bereits langfristige Kundenverträge im Wert von Hunderten Milliarden US-Dollar abgeschlossen haben, was die Vorhersehbarkeit der zukünftigen Einnahmen erhöht und insgesamt für eine stabile Bonität sorgt.
Moody’s hebt hervor, dass Investoren künftig verstärkt darauf achten werden, ob Tech-Unternehmen die kontinuierlich steigenden KI-Investitionen in angemessene Rendite umwandeln können. Dies bedeutet zugleich, dass die Branche die tiefgreifendste Veränderung der Finanzstruktur seit Beginn des Cloud-Computing-Zeitalters durchläuft.
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