Als die Netto-Long-Positionen bei WTI-Rohöl ein 20-Wochen-Hoch erreichten, erwägt die Trump-Regierung den Einsatz des Defense Production Act zur Erweiterung der Raffineriekapazität.
Führungskräfte von Raffinerieunternehmen geben an, dass der Bau neuer Raffinerien mehrere Jahre dauert und sie dazu neigen, die Effizienz bestehender Raffinerien zu steigern. Der durchschnittliche Dieselpreis in den USA hat erstmals die Marke von 6 US-Dollar pro Gallone überschritten, die Benzinpreise bleiben hoch und die Auslastung der Raffinerien liegt bereits bei etwa 98%. Laut Daten der CFTC erreichten die Netto-Long-Positionen von NYMEX WTI Rohöl in der Woche bis zum 8. September ein 20-Wochen-Hoch, während die Netto-Long-Positionen bei Benzin ein 9-Monats-Hoch verzeichneten.
Als der Ölpreis wieder die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschritt, erwägt die US-Regierung den Einsatz des „Defense Production Act“ zur Erweiterung der heimischen Raffineriekapazität, während spekulatives Kapital auf dem Rohölmarkt weiterhin die Long-Positionen ausbaut.
Laut Reuters unter Berufung auf informierte Kreise prüft die Trump-Regierung, wie der „Defense Production Act“ eingesetzt werden kann, um die heimischen Raffineriekapazitäten in den USA zu erhöhen. Das entsprechende Konzept wurde bei einem kürzlichen Treffen zwischen Trump und rund zwölf US-Raffinerieunternehmen diskutiert. Vertreter des Weißen Hauses fragten die Raffinerieunternehmen, wie Bundesmittel am effektivsten genutzt werden könnten, um die Raffineriekapazität zu steigern.
Es wurde noch keine endgültige Entscheidung getroffen, die Teilnehmer rechnen damit, dass die Diskussionen fortgesetzt werden. Manager der Raffinerieunternehmen erklärten gegenüber der Regierung, dass Bundesmittel eher zur Steigerung der Effizienz oder zum Ausbau bestehender Anlagen eingesetzt werden sollten, anstatt neue Raffinerien zu bauen, da dies mit hohen Kosten verbunden ist und mehrere Jahre bis zum Betrieb benötigt.
Der Anstieg der Preise für US-Ölprodukte sorgt insbesondere für politischen Druck. Der durchschnittliche Dieselpreis in den USA überschritt erstmals die Marke von 6 US-Dollar pro Gallone – fast 60 % mehr seit Februar, als die USA und Israel militärische Aktionen gegen Iran starteten. Die Dieselvorräte der USA liegen 13 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Auch die Benzinpreise sind weiterhin hoch.
Am Freitag fiel WTI-Rohöl um 2,32 %, blieb aber weiterhin über 100 US-Dollar pro Barrel.

Rohöl-Long-Positionen auf dem höchsten Stand seit Monaten
Laut den neuesten Daten der US Commodity Futures Trading Commission (CFTC) haben spekulative Anleger bis zur Woche vom 8. September ihre Long-Positionen auf Rohöl weiter ausgebaut.
Die Netto-Long-Positionen für NYMEX WTI-Rohöl legten in dieser Woche um 19.720 Kontrakte auf 139.339 Kontrakte zu, was ein 20-Wochen-Hoch darstellt; die kombinierten Netto-Long-Positionen von Brent und WTI stiegen um 25.890 Kontrakte auf 411.159, das höchste Niveau seit 16 Wochen.
Auch der Markt für Ölprodukte zeigt einen gewissen Long-Trend. Die Netto-Long-Positionen für NYMEX-Benzin stiegen auf 92.926 Kontrakte, ein Höchststand seit etwa neun Monaten. Allerdings fielen die Netto-Long-Positionen für NYMEX Heizöl/Diesel auf 16.004 Kontrakte, ein Vier-Wochen-Tief.
Der Markt für Erdgas bleibt eher bearish; die Netto-Short-Positionen für NYMEX Erdgas stiegen auf 76.518, das höchste Niveau seit fünf Wochen.
Anders ausgedrückt: In der Woche bis zum 8. September wurden die Long-Wetten auf Rohöl und Benzin deutlich erhöht, ohne dass der gesamte Energiemarkt bullisch gesehen wird.
Bemerkenswert ist, dass die CFTC-Daten bis zum 8. September reichen, während WTI erst danach die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel durchbrach. In zeitlicher Hinsicht ist also davon auszugehen, dass spekulatives Kapital seine Rohöl-Long-Positionen vorab ausgebaut hat, woraufhin die Ölpreise weiter stiegen – und nicht, dass die CFTC-Daten direkt zum Durchbruch der Preise geführt haben.
US-Raffineriekapazitäten nähern sich der Obergrenze
Die Erwägungen der Trump-Regierung, den DPA zur Erweiterung der Raffineriekapazitäten einzusetzen, spiegeln ein aktuelles Problem wider: Selbst wenn das Rohölangebot steigt, können die US-Raffinerien nicht unbedingt mehr Rohöl schnell in Benzin und Diesel umwandeln.
Die US-Raffinerien erreichen derzeit eine Auslastung von etwa 98 %, was nahezu Vollauslastung bedeutet. Da die Nachfrage nach Kraftstoff stark bleibt und die weltweite Raffineriekapazität durch Konflikte im Nahen Osten sowie den Angriff auf russische Raffinerien beeinträchtigt ist, sind die Möglichkeiten zur Steigerung der Produktion in den USA begrenzt.
In den letzten zehn Jahren ist die US-Raffineriekapazität sogar gesunken, da unrentable Raffinerien schließen mussten und die verbleibende Kapazität sich auf die Golfküste konzentrierte. Deshalb sieht die Trump-Regierung den Ausbau der heimischen Raffineriekapazität als langfristige Strategie zur Entlastung der Kraftstoffpreise.
Der Sprecher des Weißen Hauses, Taylor Rogers, betonte, dass die Raffineriekapazität für die Energiesicherheit und eine zuverlässige Versorgung von entscheidender Bedeutung sei. Die Erweiterung der Raffineriekapazität habe für Trump und sein Energieteam Priorität. Die Regierung prüfe derzeit regulatorische Reformen, schnellere Genehmigungen und höhere Investitionen.
DPA könnte als Politikinstrument zur Erweiterung der Raffineriekapazität dienen
Der „Defense Production Act“ gilt normalerweise als wichtiges Instrument der US-Regierung zur Mobilisierung industrieller Ressourcen in Notfällen.
Die Trump-Regierung hat bereits im April dieses Jahres Maßnahmen ergriffen und die Ölproduktion, Raffineriekapazität und Logistik in den USA als für die nationale Verteidigung wesentlich eingestuft, wobei der Einsatz des DPA zur Erweiterung dieser Kapazitäten autorisiert wurde. Das Weiße Haus erklärte damals, dass Treibstoffe für die US-Armee, die industrielle Basis und kritische Infrastruktur unerlässlich seien.
Der aktuelle Diskussionspunkt ist, dass die Trump-Regierung den DPA möglicherweise noch weiter stretcht – also von einem politischen Werkzeug zur Sicherung der Energieversorgung hin zu einer direkten Unterstützung beim Ausbau und der Effizienzsteigerung der Raffinerien.
Allerdings sind Raffinerieunternehmen nicht geneigt, mit staatlichen Mitteln neue Großraffinerien zu bauen. Manager der Branche bevorzugen Bundesmittel für Ausbau und Effizienzsteigerung bestehender Anlagen, da Neubauten enorme Investitionen erfordern, lange Bauzeiten haben und das aktuelle Angebotsproblem nicht kurzfristig lösen.
Rohöl, Ölprodukte und Inflation als Hauptfaktoren für die Politik
Aus Marktsicht steht die US-Regierung derzeit nicht nur vor den steigenden Rohölpreisen.
Der Nahost-Konflikt beeinträchtigt die globale Versorgung mit Rohöl und Ölprodukten. Nach Durchbrechen der 100-Dollar-Marke steigen die Preise für Diesel und Benzin ebenfalls und wirken sich auf Transport-, Landwirtschafts- und Industriekosten aus, was die US-Inflationsrate erneut erhöht.
Der Anstieg der Ölpreise hat bereits Auswirkungen auf die US-Finanzmärkte, Investoren fürchten, dass die höheren Energiepreise die Inflation antreiben und den zukünftigen Kurs der Fed beeinflussen könnten.
Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt zudem, dass durch Konflikte im Nahen Osten und Unterbrechungen in der Golfregion das weltweite Ölangangebot bis 2026 um bis zu 5,7 Millionen Barrel pro Tag sinken könnte – etwa 6 % der Gesamtkapazität. Saudi-Arabien hat die Ölproduktion im August auf rund 6 Millionen Barrel pro Tag gedrosselt, das niedrigste Niveau seit über 30 Jahren.
Für die US-Regierung bedeutet ein Ausbau der Raffineriekapazität mehr Ölprodukte mittelfristig. Da neue Kapazitäten allerdings Jahre benötigen, ist es kurzfristig ungewiss, ob Benzin- und Dieselpreise sinken können – entscheidend ist vielmehr die Erholung der Versorgung im Nahen Osten, die weltweite Raffineriekapazität und das tatsächliche Produktionspotenzial der bestehenden US-Raffinerien.
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