Trotz starker US-Dollar legt Gold kräftig zu und überschreitet die Marke von 4100 US-Dollar – ist ein Trendwechsel in Sicht?
Die HSBC ist der Ansicht, dass der Markt die Straffungserwartungen bereits eingepreist hat, der Goldpreis könnte daher langsam steigen. Allerdings besteht das größte Abwärtsrisiko in einem durch geopolitische Spannungen verursachten Ölpreisschock. JP Morgan weist darauf hin, dass der Widerstand zwischen 4197 und 4264 US-Dollar nicht durchbrochen wurde und der mittelfristige Abwärtstrend weiterhin besteht. Der aktuelle Anstieg scheint eher eine technische Korrektur als eine Trendwende zu sein. Der mittelfristige Widerstand liegt bei etwa 4500 US-Dollar. Sollte der Goldpreis erneut beschleunigt fallen, könnte die nächste Unterstützung bei etwa 3600 US-Dollar liegen.
Gold zeigt eine seltene Widerstandskraft und steigt trotz dreifacher Gegenwinde: einem stärkeren US-Dollar, steigenden Renditen und hohen Ölpreisen. Dennoch kommen die neuesten Forschungsberichte von HSBC und JPMorgan zu einem gemeinsamen Fazit: Diese Aufwärtsbewegung erscheint eher als eine technische Erholung nach Überverkauf und nicht als eine Trendwende; der Spielraum für weitere Kursanstiege bleibt begrenzt.
Der derzeitige Goldpreisanstieg begann während der asiatischen und der Londoner Handelszeiten am Dienstag, setzte sich dann in den US-Märkten fort und überschritt am Mittwoch den asiatischen Markt die Marke von 4.100 US-Dollar, wobei das Tageshoch bei 4.141,11 US-Dollar lag – dies alles ohne eindeutige fundamentale Treiber.

Laut James Steel, Chefanalyst für Edelmetalle bei HSBC, stieg der Aufschlag an der Shanghai Gold Exchange auf 6 bis 8 US-Dollar pro Unze, was auf eine Erholung der physischen Nachfrage in China hindeutet. Ein großer, konzentrierter Kauf könnte der unmittelbare Auslöser dieser Rally gewesen sein. Gleichzeitig sank die Zahl neuer Arbeitsplätze im US-Privatsektor (ADP) zum vierten Mal in Folge auf netto 16.500, doch der stimulierende Effekt dieses schwachen Signals auf den Goldpreis bleibt ebenfalls schwer quantifizierbar.
HSBC ist zudem der Ansicht, dass der Markt die Erwartungen an eine straffere Geldpolitik zu einem erheblichen Teil bereits eingepreist hat und der Goldpreis weiter langsam steigen könnte. Geopolitische Risiken – insbesondere eine Eskalation im Nahen Osten und ein weiterer Anstieg der Ölpreise – bleiben jedoch die größte Bedrohung.
Der technische Stratege Jason Hunter von JPMorgan bringt eine vorsichtige Perspektive und merkt an, dass Gold derzeit lediglich im Bereich von 4.074 US-Dollar Unterstützung sucht (38,2% Fibonacci-Retracement von August 2022). Das Auftreten divergierender Momentum-Kaufsignale deutet auf eine mögliche längere Konsolidierungsphase hin, doch bevor die Trendlinienwiderstände zwischen 4.197 und 4.264 US-Dollar durchbrochen werden, bleibt das mittelfristige bärische Bild unverändert.

Außergewöhnlicher Anstieg trotz dreifacher Gegenwinde
Die Aufmerksamkeit des Marktes für den aktuellen Anstieg des Goldpreises ist besonders deshalb groß, weil die makroökonomischen Rahmenbedingungen ausgesprochen ungünstig sind. Der Anstieg des US-Dollar-Index, steigende Renditen für US-Staatsanleihen und hohe Ölpreise – alle drei Faktoren sind traditionell die wichtigsten Bremsen für Gold, und dennoch steigt der Goldpreis entgegen der gleichzeitigen Belastung durch diese Variablen.
James Steel von HSBC interpretiert dieses Phänomen als Signal einer potenziell intrinsischen Stärke. Er schreibt im Bericht, dass Anleger nach einer langen Seitwärtsbewegung um die 4.000 US-Dollar nun die Zeit für einen Ausbruch nach oben als reif ansehen und dieser Anstieg möglicherweise mehr als nur eine technische Erholung darstellt. Der Markt hat die Erwartungen einer strafferen Geldpolitik weitgehend verarbeitet, während andere Risikofaktoren den Goldpreis zusätzlich stützen.
James Steel betont jedoch, dass damit keine uneingeschränkte Aufwärtsbewegung garantiert ist. Er meint, sollte die geopolitische Lage weiter eskalieren und die Ölpreise stark steigen, was wiederum einen stärkeren US-Dollar und höhere Renditen nach sich zieht, könnte dies Druck auf eine Kurskorrektur beim Gold ausüben – das ist das derzeit größte Abwärtsrisiko.
Die Entwicklung im Nahen Osten ist derzeit die wichtigste Variable für die Goldpreisentwicklung, doch deren Einfluss ist nicht eindeutig.
HSBC berichtet, dass die Konflikte im Nahen Osten weiterhin eskalieren. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt, dass es "keinen Raum für Selbstzufriedenheit bei der Ölversorgungssicherheit" gibt, und weist darauf hin, dass eine Ausweitung feindlicher Aktionen die globalen Ölreserven weiter verringern könnte.
Das Institut ist der Ansicht, dass geopolitische Spannungen traditionell eine Flucht in Gold begünstigen, die Situation jedoch diesmal komplexer ist. Sollte der Öltransport durch die Straße von Hormus beeinträchtigt werden, könnten die Ölpreise massiv steigen und damit die Inflationserwartungen antreiben. Dadurch könnte die Federal Reserve gezwungen werden, ihre restriktive Haltung länger beizubehalten, und das Zusammenspiel von US-Dollar und Renditen könnte den Goldpreis dann eher belasten. HSBC betrachtet dies als die aktuell größte tail risk für den Goldpreis.
Erwähnenswert ist, dass sich die Federal Reserve derzeit in ihrer "Blackout"-Phase befindet und es daher an neuen Impulsen aus der Geldpolitik mangelt, was eine zusätzliche Unsicherheit für die Goldpreisentwicklung bedeutet.
Technische Analyse: Bearisches mittelfristiges Bild bleibt bestehen
JPMorgan liefert einen vorsichtigen Rahmen für die Interpretation dieses Anstiegs aus technischer Sicht.
Jason Hunter erläutert im Bericht, dass der Goldpreis aktuell im Bereich von 4.074 US-Dollar (38,2% Fibonacci-Retracement August 2022) und 3.886 US-Dollar (Tiefpunkt Oktober 2025) nach Unterstützung sucht. Die zuletzt auftretenden divergierenden Momentum-Kaufsignale lassen auf eine weitere Konsolidierung schließen, stellen aber keine ausreichende Bedingung für eine Trendwende dar.
Er nennt drei strukturelle Faktoren, die einen stärkeren Anstieg des Goldpreises begrenzen:
Erstens fehlt ein mittelfristiges Akkumulationsmuster im Chart; zweitens bewegt sich der US-Dollar-Index oberhalb des Durchbruchbereichs der Jahreslinie mit bullischer technischer Struktur; und drittens hat die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen den mehrquartalen Unterstützungsbereich durchbrochen und befindet sich in einer bärischen Position.
Vor diesem Hintergrund ist JPMorgan der Meinung, dass das mittelfristig bärische Szenario bestehen bleibt, solange die Goldpreislage zwischen 4.197 und 4.264 US-Dollar nicht nach oben durchbrochen wird. Mittelfristige Widerstände liegen bei etwa 4.500 US-Dollar. Sollte der Goldpreis wieder deutlich fallen, befinden sich die Unterstützungsbereiche bei 3.605 US-Dollar (50% Retracement August 2022) sowie im Bereich 3.400 bis 3.500 US-Dollar, dem Durchbruchgebiet des vierten Quartals 2025.
Begrenzter Spielraum für Kursanstiege, aber zugleich kontrollierte Abwärtsrisiken
Zusammenfassend ergibt sich laut HSBC und JPMorgan, dass sich der Goldpreis aktuell in einem sensiblen Gleichgewicht befindet – mit sowohl Unterstützungs- als auch Widerstandselementen.
James Steel von HSBC geht davon aus, dass der Goldpreis "langsam steigen" wird, da der Markt die Erwartungen an eine straffere Geldpolitik weitgehend eingepreist hat und andere Risikofaktoren den Goldpreis stützen. Er hebt zudem hervor, dass frühere pessimistische Erwartungen hinsichtlich der Nachfrage nach Halbleitern und Elektronikprodukten möglicherweise überbewertet wurden und die ETF-Nachfrage sich erholt – dies alles stützt den Goldpreis am unteren Ende.
JPMorgan ist hingegen vorsichtiger und erwartet, dass der Aufwärtsspielraum im Sommer deutlich begrenzt bleibt, wobei die Zone zwischen 4.197 und 4.264 US-Dollar als entscheidender Widerstandsbereich gilt. Nur ein nachhaltiger Durchbruch dieser Zone würde das aktuell mittelfristig bärische Szenario ändern.
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