Von Tageshebel auf Stundenhebel! Die Lehren aus Südkorea sind noch frisch, doch die Wall Street testet erneut noch extremere Trading-Instrumente für Privatanleger
Defiance ETFs hat bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC Unterlagen eingereicht und plant die Einführung einer Reihe von gehebelten Fonds, die darauf abzielen, die Kursbewegungen einzelner Aktien um das Zweifache zu verstärken — allerdings erfolgt die Berechnung nicht auf Tagesbasis, sondern stündlich.
Die APP von Zhihui Finanzen hat erfahren, dass ein besonders stark reguliertes Segment des US-ETF-Marktes weiter in Richtung kurzfristiger Spekulation voranschreitet. Demnach hat Defiance ETFs Unterlagen bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC eingereicht, mit dem Plan, eine Reihe von gehebelten Fonds aufzulegen. Diese sollen die Kursbewegungen einzelner Aktien auf das Zweifache verstärken – allerdings wird die Bemessung nicht wie üblich täglich, sondern stündlich vorgenommen.
Gehebelte börsengehandelte Fonds (ETF) wurden bisher vor allem genutzt, um die Volatilität breiter Indizes zu verstärken. Dank Derivat-Tools können nun Privatanleger ihre Einsätze auf angesagte Einzelaktien erhöhen. Defiance beabsichtigt dieses Zeitfenster nun nochmals zu verkürzen.
Bestehende doppelt gehebelte Fonds streben typischerweise an, innerhalb eines Handelstags die doppelte Rendite einer Aktie zu erzielen. Die von Defiance vorgeschlagene Strategie hingegen setzt darauf, diese Hebelwirkung intra-day mehrfach neu zu starten.
Laut den betreffenden Dokumenten sollen die neuen Produkte die aktuell angesagtesten Tech-Aktien abbilden, darunter Meta Platforms Inc. (META.US), Microsoft (MSFT.US), Nvidia (NVDA.US), Palantir Technologies Inc. (PLTR.US) und Tesla (TSLA.US). Diese Fonds sollen mittels Swaps oder Optionskontrakten etwa das doppelte Risiko der zugrunde liegenden Wertpapiere abbilden und täglich sechs Neujustierungen vornehmen, anstatt nur einmal am Handelsschluss. Die Unterlagen zeigen: Bei Genehmigung wird bei jeder Anpassung kein einzelner Preis verwendet, sondern ein zeitgewichteter Durchschnittspreis zur Rebalancierung herangezogen.
Ein grobes Beispiel: Angenommen, ein Trader erwartet, dass Nvidia aufgrund einer bestimmten Nachricht in einer Stunde stark steigt. Er kann den Fonds für diesen Zeitraum erwerben und erhält dann die zweifache Kurssteigerung der Aktie im angegebenen Stundenfenster – nicht den gesamten Tagesertrag. Am nächsten Umschaltpunkt wird das neue Zweifachziel erneut berechnet.
Für aktive Trader bedeutet das, dass der Hebel noch näher am Zeitpunkt der Positionsaufnahme neu kalibriert wird – und dass Gewinne und Verluste im selben Handelszeitraum fortlaufend kumuliert und erneut verzinst werden.
Sylvia Jablonski, Chief Investment Officer von Defiance ETFs, äußert: „Diese Konstruktion soll Investoren eine differenzierte Möglichkeit bieten, eine intraday Sichtweise zu vertreten. Statt auf doppelte Rendite vom heutigen bis zum morgigen Schlusskurs zu setzen, strebt das stündliche Rebalancing den vorgegebenen Hebel innerhalb eines einstündigen Messzyklus an.“
Die Einreichung kommt zu einer Zeit, in der Regulierungsbehörden sich intensiv mit der Frage befassen, inwiefern der ETF-Sektor solche Produkte zulassen sollte. Die SEC hat zuletzt die Genehmigung für Drei-, Vier- und sogar Fünffach-Leverage-Produkte verzögert und überprüft derzeit eine Welle zunehmend aggressiver Produkte.
Diese Debatte schwappt auch ins Ausland über. In diesem Sommer strömten südkoreanische Anleger in gehebelte Fonds rund um SK hynix (SKHY.US) und Samsung Electronics (SSNLF.US). Nach heftigen Verlusten regte sich massiver Protest in der Bevölkerung gegen solche Produkte – das Thema gelangte bis auf eine Präsidentenebene, und die Regulierung wurde verschärft.
Mit zusätzlichen Zugangsbeschränkungen für Privatanleger hat die Leverage-ETF-Euphorie in Südkorea inzwischen abgenommen. Anleger müssen nun fünf Handelstage simulieren, ehe sie teilnehmen dürfen; seitdem ist die Nachfrage nach einigen populären gehebelten Produkten dort deutlich zurückgegangen.
ETF-Emittenten betonen stets, dass diese Produkte als Handelsinstrumente dienen und nicht als traditionelle Buy-and-Hold-Investments. Das stündliche Rebalancing treibt diese Voraussetzung auf die Spitze: Jede Runde von Gewinnen oder Verlusten bildet den Auftakt für den nächsten Zyklus, wodurch die Rendite im selben Handelstag mehrfach kumuliert wird. Bei einseitig steigenden Kursen ist dieses System profitabel; bei volatilen oder fallenden Märkten werden Verluste durch den wiederholten Zinseszinseffekt jedoch verstärkt und die Volatilität nimmt zusätzlich zu.
ETF-Analyst James Seyffart sieht dies mit einer gewissen Skepsis.
Er sagt: „Ich bin nicht vollkommen überzeugt davon, dass diese neuen Fonds im Vergleich zu Daily-Reset-Produkten wirklich einen differenzierten Risikofaktor bieten – außer vielleicht in den seltenen Stunden rund um Quartalsberichte oder andere bedeutende Ankündigungen.“
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