US-Softwareaktien feiern Comeback und verzeichnen den besten Monatsgewinn seit 2001
Starke Quartalsergebnisse von Snowflake und Okta heben die Stimmung, die extrem pessimistischen Erwartungen des Marktes hinsichtlich einer durch KI ausgelösten Disruption der Softwarebranche beginnen sich zu lockern.
Snowflake und Okta veröffentlichten nacheinander Quartalszahlen, die die Erwartungen übertroffen haben und so diese Woche eine starke Kurserholung bei US-Softwareaktien ausgelöst haben. Dadurch ist der iShares Expanded Tech-Software-ETF (IGV) im Mai um insgesamt 21% gestiegen – der stärkste Monatszuwachs dieses ETFs seit Oktober 2001. Die zuvor vorherrschende Atmosphäre des "SaaS-Untergangs" ("SaaSpocalypse") – also die Erwartung, dass künstliche Intelligenz das Software-as-a-Service-Geschäft vollständig ersetzen wird – hat sich damit zumindest vorübergehend deutlich entschärft.
Snowflake verzeichnete am Donnerstag den bisher größten Tagesgewinn der Firmengeschichte und kletterte an den vier Handelstagen nach dem Feiertag am Montag insgesamt um fast 50%. Okta, ein Unternehmen für Identitätssicherheit, legte am Freitag innerhalb eines Tages um 30% zu – ebenfalls ein Rekord. Die Ergebnisse beider Unternehmen zeigen, dass die Prognosen der Wall Street bezüglich der KI-Einflüsse auf die Softwarebranche möglicherweise zu pessimistisch ausfielen – einige Firmen beweisen eine stärkere Resilienz als erwartet.
Nach dieser Erholungswelle hat sich das Minus des IGV im laufenden Jahr auf 3,8% verringert, liegt damit aber immer noch deutlich hinter dem Anstieg von 18% des Nasdaq Composite im gleichen Zeitraum zurück. Der strukturelle Druck innerhalb des Softwaresektors ist also weiterhin nicht gänzlich verschwunden.
Snowflake: Vom Brennpunkt zum "Schaufelverkäufer" der KI
Snowflake ist der wichtigste Katalysator für die jüngste Erholung der Software-Aktien. Das Unternehmen gab den Abschluss einer Cloud-Computing- und Chip-Kooperation mit Amazon im Wert von sechs Milliarden US-Dollar bekannt und erhöhte gleichzeitig die Jahresprognose. Das verdeutlicht, dass Unternehmenskunden ihre Workloads zunehmend auf AI-Anwendungen umstellen.
"Wir beobachten, dass unsere Kunden ihre Workloads schneller bereitstellen und skalieren", erklärte CEO Sridhar Ramaswamy während der Quartalskonferenz gegenüber Analysten.
Die Analysten von Argus Research bezeichnen Snowflake als "Schaufelverkäufer" im aktuellen Hype um generative KI und erhöhten ihr Kursziel von 250 auf 300 Dollar. In ihrem Bericht nach der Bilanzverkündung schrieben sie: "Da Firmen ihren Bedarf an vereinheitlichter und integrierter Datenverarbeitung – der Kernbereich von Snowflake – weiter steigern, um das Potenzial von generativer KI voll ausschöpfen zu können, sehen wir Snowflake tatsächlich als Profiteur der GenAI-Entwicklung." Die Aktie von Snowflake schloss am Freitag bei 255,55 Dollar und liegt seit Jahresbeginn 17% im Plus.

Okta: Die agentenbasierte KI-Welle verändert die Anforderungen an Identitätssicherheit grundlegend
Auch die starke Entwicklung von Okta hat die Märkte überrascht. Das Unternehmen legte nicht nur besser als erwartete Quartalszahlen vor, sondern vermittelte den Investoren außerdem folgende Einschätzung: Der Umstieg auf agentenbasierte KI (agentic AI) zwingt Unternehmen, stärker in Identitätssicherheit zu investieren, um sich gegen die ständig wachsende Bedrohung durch automatisierte "Zombie-Armeen" zu wappnen.
"Die Markteinführung von KI-Produkten benötigt Zeit, aber jedes Unternehmen wird intelligente Agenten aufbauen und einsetzen", erklärte Okta-CEO Todd McKinnon in einem Interview mit CNBC. "Das wird in den kommenden Jahren eine unverzichtbare Infrastruktur sein."
Dank dieser Erzählung konnte Okta die bisherigen Marktbefürchtungen, dass Identitätsmanagement-Software von KI verdrängt wird, entkräften und verzeichnete am Freitag ein Tagesplus von satten 30%.
Breite Erholung im Sektor, aber das Aufholen im Jahresverlauf bleibt eine Herausforderung
Die Erholung blieb nicht auf Snowflake und Okta beschränkt. Atlassian stieg in dieser Woche insgesamt um 26%, ServiceNow um mehr als 20% und auch Shopify, Workday sowie Asana legten jeweils mindestens 14% zu.
Unter den großen Softwareanbietern mit Fokus auf Cloud-Infrastruktur gewann Oracle in dieser Woche 16% hinzu, Microsoft fast 8% – wobei Microsoft im laufenden Jahr immer noch fast 7% im Minus liegt und damit der schwächste Tech-Gigant ist.
Bemerkenswert ist, dass das historische Vorbild für diese Erholung nicht ausschließlich optimistisch gelesen werden kann: Auch im Oktober 2001 erlebte der IGV einen starken Monatsanstieg, doch damals war dies lediglich eine kurzzeitige Atempause im Platzen der Dotcom-Blase. Ob Software-Aktien diesmal tatsächlich ein solides Fundament finden, hängt weiterhin von der Entwicklung der AI-Einflüsse und der Unternehmens-IT-Ausgaben ab. Das "SaaS-Untergangs"-Narrativ ist wohl noch nicht beendet, sondern nur vorübergehend in den Hintergrund getreten.
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