Ist der Ausverkauf beim Nasdaq übertrieben? Technische und saisonale Faktoren deuten auf ein bevorstehendes Rebound-Fenster hin
Der anhaltende Rückgang des Nasdaq 100 Index (NDX) hat Investoren in letzter Zeit auf defensive Positionen getrieben, doch mehrere technische Indikatoren, Positionsdaten und saisonale Trends senden nun gleichzeitig Signale für eine Trendwende. Überverkaufte technische Muster, eine hohe Nachfrage nach Abwärtsabsicherung, die Positionsbereinigung der Hedgefonds sowie die außergewöhnlich schwache Performance der Hyperscaler schieben den NDX in ein potenzielles kurzfristiges Short-Squeeze-Fenster.
Am vergangenen Freitag fiel der NDX-Future kurzzeitig unter das untere Range-Tief, erholte sich aber schnell wieder, während der RSI-Indikator sich dem überverkauften Bereich annäherte und der Futures-Preis zudem fast die 100-Tage-Linie testet. Gleichzeitig zeigen sich Zeichen für eine Beruhigung der geopolitischen Lage im Nahen Osten, was als marginale Verbesserung dieses makroökonomischen Faktors dem technischen Rebound zusätzlichen Support gibt.

Bemerkenswert ist, dass in den letzten zehn Handelstagen das Options-Skew deutlich angestiegen ist, was darauf hinweist, dass Investoren verstärkt Abwärtsabsicherung nachfragen. Sollte der Markt Stabilität und eine Erholung zeigen, wird die Schließung dieser Hedge-Positionen einen Impuls in dieselbe Richtung bewirken. Historisch war das lokale Markttief Anfang Juni dieses Jahres genau mit dem Gipfel und Rückgang des SDEX-Index synchron, was darauf hinweist, dass extreme Panikstimmung selbst als Gegenindikator wirken kann.
Futures halten wichtige technische Unterstützung, RSI nahe Überverkauft
Die Entwicklung der NDX-Futures am vergangenen Freitag hatte eine ausgeprägte technische Bedeutung: Der kurzfristige Fall unter das Range-Tief wurde sofort wieder ausgebügelt, was ein klassisches "False Breakout"-Muster darstellt.
Der RSI-Indikator befindet sich weiterhin auf dem absteigenden Ast und nähert sich dem traditionellen überverkauften Bereich, während der Futures-Preis fast die 100-Tage-Linie berührt – eine Linie, die in der Vergangenheit mehrfach als effektive Unterstützung diente.
Insgesamt bietet das aktuelle technisches Bild eine klare Strukturbasis für eine kurzfristige Erholung. Sollte sich die Lage im Nahen Osten weiter entspannen, sind die Voraussetzungen für einen Short-Squeeze quasi gegeben.
Hedge-Signal: Extremes Skew ist oft ein Gegenindikator
Auch die Preisstruktur am Optionsmarkt verdient Aufmerksamkeit: In den letzten zehn Handelstagen ist der Skew-Indikator deutlich gestiegen und spiegelt den drastisch erhöhten Absicherungsbedarf der Investoren gegen Abwärtsrisiken wider. Solche konzentrierten Absicherungskäufe treten historisch meist auf, wenn die Panikstimmung im Markt ihren Höhepunkt erreicht hat.
Laut Daten von Goldman Sachs fiel das Markttief Anfang Juni praktisch zeitgleich mit dem temporären Höchststand des SDEX-Index, danach fiel das Skew zurück und der Markt erholte sich. Der erneute Anstieg des Skew auf aktuellem Niveau hat für charttechnisch orientierte Investoren einen ähnlichen Wert als Gegenindikator – sobald der Markt beginnt, sich zu erholen, wird die Auflösung der Absicherungspositionen den Aufwärtsimpuls verstärken.

Hedgefonds haben Technologieaktien stark reduziert
Auch die Veränderungen auf der Positionsebene sind nicht zu übersehen. Laut Goldman Sachs-Daten haben Hedgefonds zuletzt Technologieaktien massiv verkauft und seit Anfang Juni das Gesamtexposure in Tech-Aktien stark reduziert.
Das bedeutet, dass die aktuellen Tech-Positionen am Markt jetzt vergleichsweise "sauber" sind – die vorherigen Long-Chips wurden umfassend bereinigt. Historisch gesehen bremst eine starke Positionsbereinigung die Abwärtsdynamik und schafft zugleich Raum für neue Gelder, die zurück in den Markt kommen können.
Hyperscaler: Extreme Schwäche birgt Potenzial für Trendwende
Die relative Performance der Hyperscaler im Vergleich zum Gesamt-NDX ist auf einem extremen Niveau angelangt. Laut Goldman Sachs-Daten ist dieses Ausmaß an relativer Schwäche historisch höchst selten. Eben diese extreme Abweichung beginnt das Interesse von Contrarian-Investoren zu wecken.
Wenn die relative Performance eines Sektors die historische Norm derart deutlich verlässt, setzt häufig die Kraft der Mittelwertregression ein. Die extreme Schwäche der Hyperscaler ist also nicht nur eine Hauptquelle des aktuellen Drucks auf den NDX, sondern könnte auch zum Treiber einer zukünftigen Erholung werden.
Ölpreis-Korrelation: Beruhigung im Nahen Osten wirkt als zusätzlicher Katalysator
Aus fundamentaler Sicht besteht zwischen dem NDX und dem Ölpreis keine unmittelbare Verbindung, doch seit der Eskalation der Nahost-Krise zeigen beide eine selten enge, entgegenlaufende Wechselwirkung. Laut LSEG Workspace-Daten spiegeln praktisch alle Ölpreisschwankungen die NDX-Entwicklung wider.
Das bedeutet, dass ein weiterhin fallender Ölpreis dem Nasdaq zusätzliche Aufwärtsdynamik verschafft. Die marginale Beruhigung im Nahen Osten ist also nicht nur ein geopolitischer Faktor, sondern beeinflusst direkt die aktuelle technische Marktbewegung.

Saisonale Trends: Historische Daten sprechen für Aufwärtsbewegung
Auch die saisonalen Faktoren schlagen sich auf die Optimisten-Seite. Laut Equity Clock-Daten zeigen historische Muster, dass der NDX nach diesem Zeitpunkt typischerweise an Stärke gewinnt, wobei im Juli häufig Short-Squeeze-Bewegungen auftreten.
Saisonale Trends sind zwar keine alleinigen Treiber des Börsenverlaufs, aber wenn technische, Positions- und Stimmungslage alle in dieselbe Richtung weisen, stärkt diese historische Unterstützung die Relevanz deutlich.
Überverkaufte technische Muster, hohe Nachfrage nach Abwärtsabsicherung, bereinigte Tech-Positionen, extreme Schwäche der Hyperscaler und günstige saisonale Trends – all diese Signale zeigen in dieselbe Richtung. Zwar gibt es keine Garantie für eine unmittelbar bevorstehende Trendwende, doch nach den jüngsten Rückgängen sind die Voraussetzungen für positive Überraschungen im Markt deutlich niedriger als noch vor einigen Wochen. Für Investoren, die auf kurzfristige Chancen setzen, ändert sich das Risiko-Ertrags-Verhältnis momentan spürbar.
Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.
Das könnte Ihnen auch gefallen
Die jüngste Einschätzung von Goldman Sachs: Steigende Zinssätze ≠ Rückgang der US-Aktien, Gewinnwachstum ist der Schlüssel zum Bullenmarkt.
Goldman Sachs ist der Ansicht, dass hohe Zinssätze Gegenwind für den Aktienmarkt darstellen, aber keinen Bullenmarkt beenden. Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe ist auf 5,3% gestiegen, aber historische Daten zeigen, dass die durchschnittliche Rendite der US-Aktien 12 Monate nach einer Zinserhöhung +9% beträgt. Die Bilanzen der Unternehmen sind auf dem stärksten Stand seit 20 Jahren, Investitionen in KI und eine Welle von Übernahmen treiben die Gewinnerwartungen weiterhin an. Es wird erwartet, dass der Gewinn pro Aktie im S&P 500 im Jahr 2026 340 US-Dollar erreichen wird, ein Wachstum von 24% gegenüber dem Vorjahr.
Die Wall Street fügt Lululemon (LULU.US) einen weiteren Short hinzu! Nachdem der Aktienkurs seit dem Höchststand um 81% eingebrochen ist, warnt BMO vor weiteren schwierigen Zeiten.
BMO Capital Markets ist der Ansicht, dass die Rückkehr von Lululemon in die Gewinnzone weder ein schneller noch ein leichter Prozess sein wird. Das Unternehmen für Sportbekleidung überlässt den Wettbewerbern zunehmend Marktanteile, und der Rückgang der Verkaufszahlen verschärft sich weiterhin.


Wird das "Abfederungspolster" der US-Aktien verschwinden?

