Die Eskalation der Lage im Nahen Osten schürt erneut Inflationsängste! Die Europäische Zentralbank verharrt wie erwartet, der September wird zum entscheidenden Zeitfenster für eine Zinserhöhung.
Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag die Zinssätze unverändert gelassen und wartet auf weitere Wirtschaftsdaten, um zu beurteilen, ob der durch den Iran-Konflikt verursachte Inflationsdruck eine weitere Straffung der Geldpolitik erfordert.
German Wirtschafts-Finanznachrichten erfuhren, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag die Zinssätze unverändert ließ und auf weitere Wirtschaftsdaten wartet, um zu beurteilen, ob die durch den Iran-Konflikt ausgelösten Preisauftriebskräfte eine weitere Straffung der Geldpolitik erforderlich machen. Die EZB beließ den Einlagensatz bei 2,25%, was den Markterwartungen entspricht. Ökonomen und Investoren erwarten, dass die EZB nach der Zinserhöhung im Juni im September weitere 25 Basispunkte anhebt. Die EZB betonte erneut, dass keine politische Fahrtrichtung vorgegeben wird, sondern die Entscheidungen auf Grundlage der jeweils neuesten Wirtschaftsdaten Sitzung für Sitzung getroffen werden.
Die EZB erklärte am Donnerstag in einer Mitteilung: „Die Unsicherheit bleibt weiterhin hoch, die Auswirkungen des Inflationsschocks durch Energiepreise sind noch nicht vollständig sichtbar. Daher beobachtet das Direktorium aufmerksam die Intensität und Dauer des Schocks sowie die indirekten und sekundären Übertragungseffekte.“
Die politischen Entscheidungsträger bekräftigten, dass die EZB über ausreichende politische Instrumente verfügt, um mit der aktuellen komplexen Lage umzugehen.
Nach der Veröffentlichung des Zinsbeschlusses blieben die Preise europäischer Anleihen weitgehend stabil, die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihen stieg um 2 Basispunkte auf 3,19%. Zuvor hatte der Anstieg der Öl- und Gaspreise die Inflationssorgen verstärkt, wodurch die Rendite kurzzeitig 3,21% erreichte – den höchsten Stand seit 2011.
Die Markterwartungen für die künftige Zinspolitik bleiben ebenfalls stabil. Swap-Trades zeigen, dass eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte durch die EZB im September nahezu als sicher gilt und die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung vor Jahresende fast 100% beträgt. Der Euro gegenüber dem US-Dollar setzte seinen Rückgang fort und fiel zuletzt um 0,2% auf 1,1392 Dollar.
Im Juni dieses Jahres erhöhte die EZB den Leitzins um 25 Basispunkte – zum ersten Mal seit fast drei Jahren – und wurde damit zur ersten wichtigen Zentralbank innerhalb der G7, die seit Ausbruch des Iran-Krieges eine Zinserhöhung vornahm. Diese Anhebung führte zu Diskussionen darüber, ob die EZB wie 2008 und 2011 den Fehler machte, die Geldpolitik zu früh zu straffen und so die wirtschaftliche Erholung unterbrach.
Die EZB warnte im Juni, dass die durch den Iran-Krieg verursachte Inflation inzwischen auch über den Energiesektor hinausgreift, die Gesamtwirtschaft jedoch weiterhin widerstandsfähig bleibt. Nun wägen die politischen Entscheidungsträger ab, ob weitere Straffungsmaßnahmen erforderlich sind.
Einige EZB-Offizielle waren Anfang Juli der Ansicht, dass Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran die Auswirkungen des Krieges auf die Verbraucherpreise im Euroraum begrenzen könnten. Mit der erneuten Eskalation der Spannungen in der Straße von Hormus nähern sich aber die globalen Ölpreise wieder der Marke von 100 Dollar pro Barrel, und die Inflationsängste nehmen erneut zu.
EZB-Präsidentin Lagarde hielt nach dem Zinsentscheid am Donnerstag eine Pressekonferenz ab. Sie sagte, dass die Energieinflation dazu führen könnte, dass die Inflation bis in die erste Hälfte des Jahres 2027 deutlich über dem Zielniveau bleibt; der Konflikt sei die Hauptquelle der Unsicherheit. Lagarde bekräftigte erneut, dass keine zukunftsgerichteten Hinweise gegeben werden.
Der Markt geht allgemein davon aus, dass, sollte eine weitere Zinserhöhung notwendig sein, die Sitzung im September das geeignete Zeitfenster für eine Umsetzung ist. Dann werden weitere Inflationsdaten sowie Unternehmensumfragen veröffentlicht, die als Grundlage für Anpassungen der Geldpolitik dienen.
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