Guotai Junan Futures: Führt eine Zinserhöhung immer zu einem Rückgang des Goldpreises?
Analyst für den Futures-Markt bei Guotai Junan
Zhang Chining
Z0020302
Am vergangenen Freitagabend veröffentlichte die USA die Inflationsdaten (CPI) für August. Nach dem Bekanntwerden der entsprechenden Zahlen reagierte der Markt sehr schnell – laut dem FedWatch-Tool der CME sprang die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der Federal Reserve im September binnen kurzer Zeit von etwa 70 % auf rund 90 %.
Doch die Entwicklung am Abend war tatsächlich etwas ungewöhnlich: Der Goldpreis fiel nicht, sondern stieg sogar rasant ... das hat viele ratlos zurückgelassen.
Für diese ungewöhnliche Marktlage gibt es bereits zahlreiche Analysen. Manche Stimmen meinen, dass der am Vortag (Donnerstag) veröffentlichte PPI ebenfalls recht hoch ausfiel und Gold daher die negativen Faktoren bereits im Voraus eingepreist hatte, sodass nach der Veröffentlichung des CPI am Freitag der „negative Effekt“ schon ausgeschöpft war. Andere wiederum vertreten die Ansicht, dass angesichts der bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA das Entscheidungsumfeld für die Federal Reserve besonders komplex ist und der Markt deshalb noch eine gewisse Zurückhaltung wahrt, da eine tatsächliche Zinserhöhung im September nicht zwingend erwartet wird. Dies könnte ebenfalls dem Goldpreis einen gewissen Auftrieb gegeben haben.
Beide Deutungen beziehen sich auf den Marktverlauf jener Nacht. Aber wenn man nur auf die Kursbewegungen eines einzigen Abends schaut, können Kapitalfluss, Stimmung und technische Analyse allesamt für Verfälschungen sorgen. Eigentlich viel interessanter ist eine grundlegendere Frage – stimmt eigentlich die seit Jahren geltende Faustregel „Zinserhöhung, Gold fällt“ wirklich? Heute möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um die Beziehung zwischen Zinserhöhungen und Gold mit Ihnen zu klären.
Wie genau beeinflusst also eine Zinserhöhung den Goldpreis? Um das zu verstehen, müssen wir zunächst klären, welche Zinssätze die Federal Reserve eigentlich anhebt.
Die Federal Reserve erhöht den sogenannten Nominalzins. Der Nominalzins entspricht im Großen und Ganzen dem Realzins plus der Inflation. Entscheidend für eine negative Korrelation mit Gold ist jedoch der Realzins – je höher der Realzins, desto schwächer tendiert in der Regel Gold.
Warum sagt man dann oft „Zinserhöhung, Goldpreis fällt“?
Das liegt daran, dass mit Zinserhöhungen meistens die Nachfrage gebremst wird: Steigen die Zinsen, wird das Leihen von Geld teurer, Konsum und Investitionen kühlen ab, und die Inflation geht meist zurück. Dadurch steigt einerseits der Nominalzins, andererseits wird parallel auch die Nachfrage abgebremst, und die Inflation beginnt zu sinken. Das treibt den Realzins nach oben und setzt Gold unter Druck – das ist die weithin bekannte Logik.
Doch diesmal gibt es einige Unterschiede.
Denn der Auslöser für die Inflation liegt dieses Mal nicht nur auf der Nachfrageseite, sondern ebenso auf der Angebotsseite – die angespannte Lage im Nahen Osten, internationale Ölpreise, die zeitweise auf über 100 US-Dollar gestiegen sind, machten im August allein die Benzinkosten für mehr als ein Drittel des monatlichen Anstiegs im US-CPI aus.
Bei einer solchen kostengetriebenen Inflation wirkt eine Zinserhöhung nicht zwangsläufig sofort – selbst wenn die Lust am Leihen und Konsumieren gedämpft wird, bleibt der Anstieg bei Ölpreisen, Transport- und Produktionskosten schwer zu stoppen.
So kann es zu einem anderen Szenario kommen: Einerseits erhöht die Federal Reserve die Zinsen, nominal steigen sie. Andererseits treiben gestiegene Kosten auf der Angebotsseite die Inflation weiter nach oben. Sollte die Inflation schneller zulegen als die Zinserhöhung, steigt der Realzins womöglich gar nicht – und der Goldpreis reagiert womöglich gar nicht so stark auf die Zinserhöhung wie erwartet; im Gegenteil, die Erwartung einer zweiten Inflationswelle könnte Gold sogar zusätzlichen Auftrieb verleihen.
Abschließend gibt es noch einen wichtigen Punkt: Wer derzeit auf Gold blickt, sollte den Fokus auf die Inflation selbst richten – da die aktuelle Inflationsdynamik auch durch die Angebotsseite angetrieben wird, ist die alte Formel „Zinserhöhung, Gold fällt“ womöglich nicht uneingeschränkt anwendbar.
Wie es weitergeht, hängt zum einen von der weiteren Zinspolitik der Federal Reserve ab; zum anderen sollte man die geopolitischen Konflikte und die Entwicklung der Energiekosten im Auge behalten, um abzuschätzen, wie sich die Lage letztlich auflöst.
Redaktionsschluss: 14. September 2026, 14:02 Uhr (UTC+8)
Redakteur: Zhu Henan
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