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Indiens Testlauf für tokenisierte Anleihen erreicht 107 Millionen

Indiens Testlauf für tokenisierte Anleihen erreicht 107 Millionen

CoinciergeCoincierge2026/09/12 16:18
Von:Coincierge
Indiens Testlauf für tokenisierte Anleihen erreicht 107 Millionen image 0

Indiens Wertpapieraufsicht SEBI hat mit dem Pilotprojekt Demat 2.0 die erste Phase der Ausgabe tokenisierter Unternehmensanleihen abgeschlossen. Drei Emittenten sammelten dabei zusammen 1.025 Crore Rupien, umgerechnet rund 107,2 Millionen US-Dollar, über digitale Anleihe-Token ein.

SEBI bezeichnet Indien nach eigenen Angaben als erstes Land, das ein Projekt dieser Art umsetzt: Unternehmensanleihen werden dabei als digitale Token auf einem verteilten Ledger ausgegeben, verwahrt und abgewickelt, statt wie bisher rein auf klassischen Depotkonten. Das Pilotvolumen ist damit noch klein, markiert aber einen konkreten Testlauf im bestehenden Marktsystem statt eines abgetrennten Krypto-Experiments.

SEBI-Pilotprojekt Demat 2.0 sammelt 1.025 Crore Rupien ein

Den Anfang machte der staatliche Energiefinanzierer REC Ltd. am 7. September. Das Unternehmen sammelte 500 Crore Rupien (52,3 Millionen US-Dollar) von 18 Investoren ein, bei einem Kupon von 7,3 Prozent. Die Nachfrage übertraf das Angebot deutlich: Laut dem Primärbericht gingen Gebote im Wert von 7,96 Milliarden Rupien (83,2 Millionen US-Dollar) ein, weit mehr als die angepeilten 500 Crore Rupien.

Zwei Tage später folgte der Ingenieurkonzern Larsen & Toubro mit einem ähnlichen Volumen von 500 Crore Rupien, allerdings von nur vier Investoren gezeichnet. Der Nichtbanken-Kreditgeber IIFL schloss die erste Runde am selben Tag mit einem deutlich kleineren Verkauf von 25 Crore Rupien (2,6 Millionen US-Dollar) an einen einzigen Käufer ab. In Summe kamen so die genannten 1.025 Crore Rupien beziehungsweise 107,2 Millionen US-Dollar zusammen, deren Zahlen SEBI am Donnerstag veröffentlichte.

Wie die tokenisierten Anleihen abgewickelt werden

Technisch läuft die Abwicklung über ein verteiltes Ledger, das den beiden indischen Wertpapierdepots NSDL und CDSL zugeschrieben wird. Die Zahlungsseite jeder Transaktion erfolgt in der digitalen Großhandelswährung der Reserve Bank of India, dem e₹-W, verknüpft mit der Anleiheseite über die Unified Market Interface der RBI. Dieses Prinzip ähnelt anderen institutionellen Digitalwertpapier-Projekten wie der digitalen Structured Note von Banco do Brasil, bei der ebenfalls Distributed-Ledger-Infrastruktur für die Abwicklung genutzt wird.

Nach Angaben von SEBI erhalten Emittenten ihre Erlöse dadurch bereits am selben Tag, an dem sie Gebote entgegennehmen, statt wie bislang üblich nach zwei bis drei Tagen. Kupon- und Tilgungszahlungen sollen bei Fälligkeit automatisiert an die E-Wallets der Anleihegläubiger fließen. Rechtlich bleibt die tokenisierte Anleihe laut SEBI ein Wertpapier im Sinne des Securities Contracts (Regulation) Act von 1956, und die Zentralverwahrstelle bleibt weiterhin das offizielle Register der Eigentumsverhältnisse nach dem Depositories Act von 1996.

Was in den nächsten Pilotphasen folgt

Das Projekt läuft in drei Phasen im Rahmen des regulatorischen Testfelds der SEBI. Die aktuelle erste Phase ist ausschließlich institutionellen Emissionen vorbehalten. In der zweiten Phase soll der Sekundärhandel eingeführt werden, allerdings über die bestehenden RFQ- und OTC-Meldesysteme der Börsen und nicht über einen komplett neuen Handelsplatz.

Erst in einer dritten Stufe sollen die Netzwerk-Knoten auf Ratingagenturen und andere regulierte Marktteilnehmer ausgeweitet werden. Ähnliche regulatorische Testläufe für tokenisierte Wertpapiere gibt es auch außerhalb Indiens, etwa im Rahmen der Einführung tokenisierter Wertpapiere in Südkorea, wo Anleihen ebenfalls Teil eines regulierten Digitalisierungsprozesses sind.

Was Anleger jetzt beachten sollten

Für Privatanleger ändert sich vorerst wenig, denn die erste Phase von Demat 2.0 bleibt institutionellen Emissionen vorbehalten. Wer als Investor bereits ein bestehendes Depotkonto hat, muss laut SEBI kein separates Demat-2.0-Konto eröffnen und keine erneute KYC-Prüfung durchlaufen, da das neue Konto lediglich mit dem vorhandenen Depot und einer digitalen Rupien-Wallet der eigenen Bank verknüpft wird.

Emittenten wiederum benötigen laut den SEBI-Angaben nur eine CBDC-Wallet, die mit einem bestimmten Bankkonto verbunden ist, um Erlöse einzuziehen und Zahlungen auszuführen. Das aktuelle Pilotvolumen von 107,2 Millionen US-Dollar zeigt vor allem, dass die Infrastruktur technisch funktioniert – es ist jedoch kein Beleg dafür, dass tokenisierte Unternehmensanleihen bereits breit für Privatanleger verfügbar sind, und lässt sich laut den vorliegenden Zahlen auch nicht als Rendite- oder Kaufsignal interpretieren.

Zuletzt aktualisiert am 12. September 2026

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