Bitcoin notierte zuletzt bei 78.449,49 US-Dollar, nachdem der Kurs unter die Marke von 79.000 US-Dollar gefallen war und zuvor vergeblich versucht hatte, sich über 80.000 US-Dollar zu halten. Trotz dieser kurzfristigen Bewegungen fällt laut Glassnode ein anderer Wert auf: Die einmonatige realisierte Bitcoin-Volatilität liegt derzeit auf einem historisch niedrigen Niveau. In einer am 8. September veröffentlichten Analyse verglich das Datenanalyseunternehmen 13 Variablen daraufhin, wie stark sie die sogenannte detrendete Volatilitätsvarianz von Bitcoin erklären.
Das Wichtigste in Kürze:
- Long-Term-Holder-Supply: erklärt laut Glassnode knapp 19 Prozent der untersuchten Volatilitätsvarianz und führt damit die Rangliste an.
- Illiquide Supply und Liveliness: folgen mit etwa 12 Prozent beziehungsweise rund 11 Prozent auf den Plätzen zwei und drei.
- Marktkapitalisierung: erklärt lediglich etwas mehr als 3 Prozent, Spotvolumen liegt bei rund 7 Prozent.
- Kein Richtungssignal: Die niedrige Volatilität lässt laut Glassnode keine verlässliche Prognose für die nächste Kursbewegung zu.
Einmonatige realisierte Volatilität als zentrale Metrik
Die einmonatige realisierte Volatilität misst die Preisschwankungen von Bitcoin über den vorangegangenen Monat und gilt als gängiges Maß für kurzfristige Marktnervosität. Um die Analyse aussagekräftiger zu machen, wendete Glassnode ein sogenanntes Detrending an – dabei wird die längerfristige statistische Richtung der Daten entfernt, damit kurzfristige Beziehungen zwischen den Variablen sichtbar werden.
In dieser bereinigten Betrachtung führt die Long-Term-Holder-Supply mit knapp 19 Prozent erklärter Varianz, gefolgt von illiquider Supply mit etwa 12 Prozent und Liveliness, einem Maß für die Ausgabenaktivität älterer Coins, mit rund 11 Prozent. Marktkapitalisierung landet mit etwas mehr als 3 Prozent nahezu am Ende der Rangliste, Coin Velocity liefert ein ähnliches Ergebnis. Leverage, Exchange-Bestände und Futures-Open-Interest bewegen sich jeweils zwischen etwa 8 und 9 Prozent – ein Muster, das sich auch im Vergleich zu früheren Marktzyklen wiederfindet.
Warum die Konzentration langfristiger Halter zählt
Glassnode klassifiziert Coins, die mindestens 155 Tage lang nicht bewegt wurden, im Allgemeinen als Long-Term-Holder-Supply. Diese Kohorte erreichte am 21. Juli ein weiteres Allzeithoch, nachdem sie im Juni bereits auf rund 16,64 Millionen BTC beziehungsweise etwa 83 Prozent der umlaufenden Menge angewachsen war – ein Trend, der sich in die bereits häufiger als bullisch eingeordnete Akkumulationsphase einreiht.
Wenn langfristige Halter kontinuierlich Coins aufnehmen, verringert sich die für aktiven Handel verfügbare Bitcoin-Menge. Das kann Preisbewegungen dämpfen, solange die Nachfrage ausgeglichen bleibt. Verändert sich die Nachfrage jedoch abrupt oder kehren ruhende Coins in den Umlauf zurück, könnte genau diese geringere liquide Supply Bewegungen eher verstärken als abfedern.
Frühere Phasen ungewöhnlich niedriger Volatilität gingen in vergangenen Zyklen teils deutlichen Kursanstiegen voraus. Glassnode selbst verweist jedoch darauf, dass daraus kein verlässliches Prognosemuster entstanden ist – eine Einordnung, die sich auch mit der Rolle von Bitcoin als langfristigem Wertspeicher für institutionelle Anleger deckt, bei dem kurzfristige Schwankungen ohnehin sekundär betrachtet werden. Fidelity Digital Assets, das Bitcoins Volatilitätshistorie in eigenen Untersuchungen betrachtet hat, ordnet solche Zusammenhänge ausdrücklich als Korrelation ein, nicht als Beweis für Kausalität.
Zwei-seitiges Risiko statt eindeutiges Signal
Für Trader ergeben sich aus den Zahlen vor allem Implikationen fürs Risikomanagement, weniger eine klare Richtungsvorgabe. Eine kleinere liquide Supply kann Preisbewegungen moderieren, solange die Nachfrage stabil bleibt – sie kann sie aber auch verstärken, sobald sich die Nachfragelage schnell ändert oder länger inaktive Coins wieder bewegt werden.
Funding Rates, Leverage und Futures-Positionierung könnten eine solche Anpassung zusätzlich beschleunigen, sollte sie eintreten. Zu beobachten bleiben daher vor allem Veränderungen der Long-Term-Holder-Supply sowie mögliche Anzeichen dafür, dass ruhende Coins in den aktiven Handel zurückkehren.
Die aktuelle Messung beschreibt damit vor allem das jüngste Preisverhalten von Bitcoin, nicht dessen nächste Richtung. Wer die Daten als Vorbote einer bevorstehenden Kursbewegung liest, sollte laut Glassnode berücksichtigen, dass historische Parallelen in der Vergangenheit sowohl kräftige Rallyes als auch scharfe Korrekturen eingeleitet haben.



