Wedbush hebt Kursziel für AMD (AMD.US) auf 600 US-Dollar an: KI-Konferenz offenbart „End-to-End“-Ambitionen, Gewinnprognose für 2027 steigt um 20%
Wedbush prognostiziert, dass das Wachstum der Rechenzentrumsumsätze von AMD in den Jahren 2026 und 2027 die Erwartungen übertreffen wird.
German Finanzen APP berichtet, dass nach AMDs erfolgreicher Durchführung der „Advancing AI 2026“-Konferenz in San Francisco das Wall-Street-Brokerhaus Wedbush Securities am Montag einen bahnbrechenden Research-Bericht veröffentlichte. Darin wurde das Kursziel für AMD (AMD.US) von 450 auf 600 US-Dollar deutlich angehoben und das Rating „Outperform“ beibehalten. Besonders bemerkenswert: Wedbush hat gleichzeitig die Schätzungen für AMDs Ergebnisse 2026 und 2027 stark angehoben – die Umsatzprognose für 2027 sprang von 77,9 Mrd. US-Dollar direkt auf 81,2 Mrd. US-Dollar, das Ergebnis je Aktie wurde von 12,33 US-Dollar auf 14,74 US-Dollar erhöht.
Wedbush-Analyst Matt Bryson bemerkte im Bericht, dass es AMD gelungen sei, sich als „End-to-End-Computing- Unternehmen für GPU, CPU, Netzwerk, Software sowie die zunehmend wachsenden Client- und physischen AI-Bereiche“ neu zu positionieren. Auf der Konferenz wurde eine „außergewöhnlich starke Forschungs- und Unternehmenspartnergruppe“ vorgestellt. Das Herzstück dieses strategischen Wandels: AMD entwickelt sich vom reinen Chip-Anbieter zum AI-Infrastruktur-Unternehmen, das Nvidia (NVDA.US) auf Systemebene frontal Konkurrenz macht.
Selbstvertrauen hinter dem höheren Kursziel: EPS-Prognose für 2027 steigt um 20%
Der Umfang und die Breite der Erhöhung von Wedbush übertreffen die Markterwartungen deutlich. Im Detail:
Prognose für Q2 2026: Ergebnis je Aktie von 1,61 auf 1,64 US-Dollar angehoben, Umsatz von 11,3 auf 11,4 Mrd. US-Dollar
Für das Gesamtjahr 2026: Ergebnis je Aktie von 6,95 auf 7,22 US-Dollar angehoben, Umsatz von 47,2 auf 49,2 Mrd. US-Dollar
Für das Gesamtjahr 2027: Ergebnis je Aktie von 12,33 auf 14,74 US-Dollar (+19,5%) stark erhöht, Umsatz von 77,9 auf 81,2 Mrd. US-Dollar (+4,2%)
Bryson stellte klar, dass die jüngsten Kooperationsabkommen mit Microsoft (MSFT.US) und Anthropic Wedbush „deutlich mehr Vertrauen“ für ein starkes Wachstum der AI-Chip/Systemumsätze im AMD-Datacenter in der zweiten Hälfte 2026 und 2027 geben. Darüber hinaus zeigt der Austausch mit Serverherstellern und Lieferkettenpartnern, dass AMD besser auf Lieferkettenherausforderungen reagiert und die steigende Nachfrage nach Datacenter-Computing bedient.
Advancing AI 2026: Die „Full Stack Revolution“ von Chip bis System
Vom 23. bis 24. Juli fand die Advancing AI 2026-Konferenz von AMD in San Francisco statt – der direkte Auslöser der Kurszielerhöhung. AMD-CEO Lisa Su präsentierte dabei eine sieben Produkte umfassende Full-Stack-AI-Matrix, die Hardware, Netzwerk und Software abdeckt.
Vom Chip zum Rack-Level-Sprung. Das Helios Rack-Level AI-Plattform bildet das Herzstück der gesamten Präsentation. Ein Rack kann maximal mit 72 Instinct MI455X AI-Beschleunigern bestückt werden, dazu kommen 18 Venice EPYC CPUs auf Zen6-Basis, die Gesamtmaschinen FP4-Spitzenleistung erreicht 2,9 ExaFLOPS und bietet einen einheitlichen HBM4-Speicherpool von 31 TB. AMD behauptet, Helios biete im Vergleich zur Nvidia Vera Rubin NVL72-Lösung 15% mehr AI-Leistung, 50% mehr HBM-Kapazität, 50% mehr horizontale Erweiterungsbandbreite und bis zu 30% mehr Tokens pro US-Dollar. Lisa Su stellte klar, dass die ersten Helios-Auslieferungen im September 2026 beginnen und im vierten Quartal sowie in der ersten Hälfte 2027 hochskaliert werden.
Agentic AI treibt CPU-Nachfrage. AMD-Manager erläuterten, dass mit dem Übergang von AI-Modelltraining zur umfassenden Einführung von AI-Agenten (Agentic AI) die Rolle der CPU neu definiert wird. AI-Agenten benötigen große allgemeine Rechenkapazität für Inferenz, Planung und Koordination – genau die Stärken der x86 CPU. Lisa Su prognostiziert, dass in manchen Szenarien das CPU/GPU-Verhältnis von aktuell 1:4 auf 2:1 steigen könnte – also auf zwei CPUs pro GPU. AMD bekräftigte das Ziel, über 50% Marktanteil bei Server-CPUs anzustreben.
Lisa Su gab in ihrem Vortrag eine aktuelle Branchenprognose: Bis 2030 werde der globale AI-Computing-Markt auf über 2 Billionen US-Dollar wachsen, davon entfallen 1,4 Billionen US-Dollar auf AI-Beschleuniger, 220 Mrd. US-Dollar auf Datacenter-CPUs. Sie betonte, dass die AI-Branche nun von reiner GPU-Leistung zu einer „Full Stack-Kollaborationsleistung aus CPU+GPU+DPU+FPGA+Software-Ökosystem“ übergeht.
Der größte Sprung im Software-Ökosystem. AMD stellte mit ROCm.ai eine umfassende AI-Software-Plattform vor – laut Management „der größte Software-Sprung seit der strategischen Frühphase“. Durch Zusammenarbeit mit OpenAI (bei Codex) und Anthropic (bei Claude) wird der Entwicklerzugang zur AMD-Plattform in den nächsten Monaten deutlich verbessert.
Kundenmatrix: Microsoft, Anthropic, Meta, OpenAI gemeinsam aufgestellt
AMD-Kunden sind erstklassig. Lisa Su bestätigte persönlich, dass Anthropic, OpenAI und Meta die Helios-Systeme einsetzen werden. Die Zusammenarbeit mit Anthropic ist besonders entscheidend – AMD beginnt in der ersten Hälfte 2027 mit Auslieferung von 1 GW MI450-Beschleunigerleistung. Mit dem bereits angekündigten Microsoft Azure-Einsatz steigt die AMD-Zusage für AI-Beschleuniger insgesamt auf 14 GW.
Anthropic: Am 22. Juli verkündete man eine strategische Partnerschaft. Anthropic installiert bis zu 2 GW AMD MI450-Serien-GPU im Helios-Rack-System, der erste GW wird in der ersten Hälfte 2027 gestartet. AMD verpflichtet sich außerdem zu einer strategischen Beteiligung von bis zu 5 Mrd. US-Dollar an Anthropic. AMD nutzt das Claude-Modell von Anthropic zur Optimierung der Instinct-GPU-Workloads und Beschleunigung der ROCm-Entwicklung.
Microsoft: Azure-Datacenter implementieren AMD Helios-Rack-Systeme; Helios wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte 2026 an Kunden ausgeliefert.
Meta, OpenAI und Oracle bestätigten ebenfalls Pläne zur Bereitstellung von Helios-Systemen. Lisa Su erklärte, Helios werde nicht von AMD alleine fertiggestellt und dann an Kunden übergeben, sondern gemeinsam mit OpenAI, Meta, Anthropic u. a. von Anfang an designt – vom Chip, Software, Datacenter bis zur Lieferkette – sodass Kunden frühzeitig in die Produktdefinition eingebunden sind.
Lieferkettengewinner: Kettenreaktion von Servern bis Speicher
Wedbush betonte, dass AMDs Konferenzankündigungen zahlreiche Lieferkettenpartner positiv beeinflussen werden:
Cerebras (CBRS.US): Ihre Wafer-Engine für Inferenz wird mit AMDs Helios-Racks eingesetzt
Super Micro Computer (SMCI.US) und Dell (DELL.US) können von steigenden Gewinnen profitieren
Speicheranbieter Samsung Electronics und Micron (MU.US) werden als Hauptlieferanten für AMD weiterhin profitieren
Markterwartungen: Kursrückgang, dennoch positive Wall-Street-Einschätzung
Obwohl Wedbush das Kursziel massiv erhöht hat, fiel der AMD-Kurs am 27. Juli um mehr als 5% und schloss bei etwa 494,95 US-Dollar. Diese scheinbar widersprüchliche Marktreaktion zeigt das aktuelle Bewertungsdilemma von AI-Chip-Aktien: Nach dem deutlichen Anstieg im ersten Halbjahr 2026 hat der Markt alle „erwarteten“ positiven Nachrichten bereits eingepreist – ein weiterer Kursanstieg erfordert eine kontinuierliche Bestätigung von über den Erwartungen liegenden Ergebnissen.
AMD transformiert sich vom „Aufholjäger“ zum „Prägegber“. Die Serienproduktion des Helios-Rack-Systems, der Ausbau von Venice-CPUs, die Förderung der MI400-Serie und die Entwicklung des ROCm.ai-Ökosystems ergeben ein vollständiges „End-to-End“-Puzzle für AI-Leistung. Noch wichtiger: Die durch Agentic AI ausgelöste Neubewertung der CPU-Nachfrage verändert die Spielregeln grundlegend – wenn pro GPU künftig zwei CPUs benötigt werden, wird AMDs Führungsposition im x86-Server-CPU-Bereich zum nie dagewesenen Wachstumsmotor.
Wedbushs Kursziel von 600 US-Dollar bedeutet ein Aufwärtspotenzial von etwa 21% gegenüber dem Montagsschluss. AMD plant die Veröffentlichung der Q2 2026 Ergebnisse am 4. August. Dann erhält der Markt aktuelle Zahlen zur Dynamik des AI-Geschäfts und Wedbushs neue Prognosen werden zu einer wichtigen Messlatte für Anleger.
Wall Street folgt kollektiv: AMD wird zum „Must-Have“
Wedbush ist nicht das einzige Institut mit einem höheren Kursziel für AMD.
Futurum Equities brachte mit 800 US-Dollar das höchste Kursziel der Wall Street und erwartet, dass AMDs GPU-Umsatz im nächsten Jahr auf 38 Mrd. US-Dollar steigt.
UBS erhöhte das Kursziel von 700 auf 730 US-Dollar und behielt die Kaufempfehlung. Die Analysten stellten speziell klar, dass AMDs Server-CPU-Margen rund 10 Prozentpunkte über dem Unternehmensdurchschnitt liegen – die profitabelste Produktlinie ist auch die am schnellsten wachsende.
Bank of America erhöhte das Kursziel auf 620 US-Dollar und sieht AMD als „Erfolg bei der Transformation vom kommerziellen GPU-Anbieter zum Full-Stack-, Rack-Level-Beschleuniger-Systemanbieter“.
Goldman Sachs bleibt bei der Kaufempfehlung, das 12-Monats-Kursziel liegt bei 640 US-Dollar. Jefferies behält das Kursziel von 640 US-Dollar bei. Benchmark erhöhte das Kursziel von 485 auf 685 US-Dollar.
Laut einer S&P Global-Umfrage unter 51 Analysten liegt AMDs Konsensrating bei „strong buy“, das durchschnittliche Kursziel beträgt 575,49 US-Dollar.
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