Die US-Aktienmärkte befinden sich in einer „extrem fragilen“ Phase, während die Berichtssaison beginnt.
Die Volatilität der US-Aktienindizes scheint oberflächlich ruhig zu sein, doch der innere Druck nimmt zu. Unter dem dreifachen Druck von geopolitischen Situationen, geldpolitischen Erwartungen und Signalen aus dem Kreditmarkt ist die Marktverletzlichkeit auf das höchste Niveau der letzten Jahre gestiegen – und eine neue Berichtssaison mit hohen Erwartungen und Risiken beginnt genau jetzt.
Der "Turbu-lens"-Indikator für Marktverletzlichkeit des Derivate-Strategie-Teams von UBS zeigt aktuell einen Wert von 0,9 (Skala von -1 bis 1) – den höchsten Wert seit Mitte September 2025. Historisch deuteten derartige Werte häufig auf einen temporären starken Anstieg des VIX hin. Das Derivate-Strategie-Team um Maxwell Grinacoff von UBS warnt, dieser Wert zeigt auf eine "extreme Marktverletzlichkeit", und ausgerechnet zur Berichtssaison startet der Markt. Gleichzeitig betont das Team, dass bei vollständiger Hebelung systematischer Strategien der Indikatorwert "tatsächlich +1 erreichen könnte".

Die hohen Erwartungen im aktuellen Markt verstärken zusätzlich das Risiko. Analysten prognostizieren für die Komponenten des S&P 500 im zweiten Quartal ein Gewinnwachstum von 24%, für den Stoxx 600 in Europa erwarten sie 12%. Anders als in früheren Berichtssaisons erhöhen Analysten ihre Prognosen immer wieder unmittelbar vor dem Report – das deutet auf großes Vertrauen hin, steigert aber das Korrekturpotenzial, falls die Ergebnisse enttäuschen.

Unter der Ruhe des VIX ist die Einzelaktien-Volatilität bereits dreimal höher
Der VIX befindet sich derzeit auf niedrigem Niveau, aber diese Ruhe ist irreführend. Das Barclays-Stratgie-Team um Anshul Gupta stellt fest, dass der jüngste Rückgang des VIX mit den saisonal typischen Perioden geringerer Preisschwankungen zusammenfällt – ein "kurzer Sweetspot", dessen Nachhaltigkeit begrenzt ist, die Berichtssaison dürfte den VIX wieder steigen lassen.
Bemerkenswerter ist jedoch, dass die geringe Indexvolatilität extreme Unterschiede im Markt verdeckt – die Volatilität einzelner Aktien ist bereits mehr als dreimal so hoch wie die Indexvolatilität. Grinacoff meint, im Sommer dürfte sich diese Differenz verringern; dann könnten die Umwertung der Geldpolitik oder geopolitische Erschütterungen zu einem starken Anstieg der Indexvolatilität führen.
Für Hedge-Strategien gilt: Da diversifizierte Trades und Sektorrotationen in den nächsten Wochen wohl anhalten, bleiben Index-Hedges limitiert. Grinacoff empfiehlt: "Taktisch könnten Einzelaktien-Optionen bessere Chancen bieten."

Der Ölpreis und der Anleihemarkt senden Warnsignale
Die durch geopolitische Entwicklungen verursachte Ölpreisvolatilität übt weiterhin Druck auf die globalen Aktienmärkte aus. Der Brent-Ölpreis liegt inzwischen knapp unter 80 Dollar pro Barrel – diese Entwicklung könnte die Inflationserwartungen hoch halten und die Fed an ihrer abwartenden Haltung festhalten lassen. Obwohl die Veröffentlichung der Fed-Protokolle kaum die Zinserwartungen verändert hat, ist die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe stillschweigend auf fast 4,6% gestiegen; die erhöhte Volatilität am Anleihemarkt sendet ein negatives Signal an die Aktienmärkte weltweit und könnte zumindest den weiteren Aufwärtsspielraum begrenzen.

Das Strategie-Team von Citi, darunter Alice Zheng, hebt hervor, dass die aktuelle Positionierung in Bezug auf steigende Ölpreise verzerrt ist, besonders Europa ist verwundbar – weil es stark von Energieimporten abhängig und in AI-nutzenden Assets wenig engagiert ist. "Wenn der Preisanstieg weitergeht, könnten die Rückgänge an den europäischen Märkten deutlich werden, da der Markt die Hoffnung auf ein Ende der Konflikte bereits eingepreist hat", schreiben die Strategen.
Der Kreditmarkt bestätigt den Aktienanstieg nicht
Die Entwicklung am Kreditmarkt signalisiert eine Warnung für den Aufwärtstrend der Aktienmärkte. Im Vergleich zu den Rekordhöhen der Aktienindizes hat sich der Spread der Credit Default Swaps (CDS) kaum verengt – der Kreditmarkt bestätigt den Aktienanstieg nicht ausreichend. Mit der jüngsten Korrektur der Aktienmärkte sind beide wieder näher zusammengerückt, doch Analysten meinen: Um den Aktienmarkt weiter zu stützen, bedarf es deutlicherer Verengungssignale aus dem Kreditmarkt.
Angesichts dieser Risiken empfiehlt UBS den Anlegern, durch Paar-Korrelationstrades (pair-wise correlations trades) Chancen in der Volatilität von Einzeltiteln zu nutzen. Sektoren: UBS sieht im US-Markt Technologie, Energie und Finanzsektor als am geeignetsten für Paar-Volatilitätsstrategien; in Europa empfiehlt man Energie, Technologie und zyklischen Konsum.
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