Nomura: „Zwei große Risiken für den Speicher“ – Die Speicherproduktionsausweitung in Südkorea und das Mieten von Rechenleistung durch Meta sind beides Scheinargumente! (Tiefenanalyse)
Laut dem neuesten Bericht von Nomura sind die „zwei großen Negativfaktoren beim Speicher“ eine falsche These. Südkoreanische Investitionen benötigen Jahre bis zur Umsetzung und der HBM verknappt Kapazitäten für universelle Speicherchips – das zentrale Problem im weltweiten Speichermarkt bleibt gravierender Mangel; Metas Maßnahme zielt darauf ab, die Kapitalrendite zu steigern und senkt stattdessen die Kosten für Rechenleistung, was vielmehr eine gewaltige zusätzliche Nachfrage im AI-Bereich anregen könnte. Die AI-Nachfrage hat noch nicht ihren Höhepunkt erreicht, und die emotionale Fehlbewertung eröffnet ein Reassessment-Fenster für den Sektor.
Anfang Juli kam es zu heftigen Turbulenzen im globalen Sektor für Speicherchips. Zwei Auslöser: Zum einen kündigten südkoreanische Speicher-Riesen gemeinsam mit der Regierung einen langfristigen Investitionsplan im Umfang von48 Billionen Won an (davon etwa 37 Billionen direkt bezogen auf Speicher); zum anderen hatMeta angekündigt, ungenutzte AI-Rechenleistung zu vermieten und will ein Cloud-Infrastrukturgeschäft starten.
Durch die Kombination beider Meldungen griff panikartig ein Angstgefühl um sich –Micron brach an einem Tag um über 10% ein,Samsung Electronics und SK Hynix fielen Anfang Juli jeweils um über 7% bzw. 9%, der südkoreanische KOSPI-Index wurde zeitweise wegen Handelsaussetzungen gestoppt.
Nomura Securities stellte im Analystenbericht vom 2. Juli klar:die Sorgen am Markt sind massiv übertrieben.
I. Übersicht und Analyse der beiden großen "Negativen"
(1) Südkoreas massiver Ausbauplan: Fernes Wasser kann nahen Durst nicht lösen
Marktlogik der Besorgnis: Der südkoreanische Investitionsplan über 48 Billionen Won wird von Investoren als bevorstehende massive Produktionsfreigabe ausgelegt und könnte zu einem massiven Überangebot und dem Ende der aktuellen Preiserhöhungsphase führen.
Nomuras Gegenargumentation (dreifache Beweisführung) :
Erstens: Derzeit besteht kein Überangebot, sondern gravierender Mangel. Angesichts der beispiellos starken Nachfrage im AI-Sektor bleibt Speicherunternehmen nichts anderes übrig, als HBM-Chips mit hoher Marge prioritär zu produzieren. Diese Kapazitätsverschiebung führt direkt zu einer Verlangsamung bei universellen Speicherchips. Seit dem zweiten Halbjahr 2025 hat das starke Wachstum bei generischen Speicherchips bereits zu gravierenden Lieferengpässen geführt. Trotz aggressiver Kapazitätsausweitung – weit stärker als erwartet – können Speicherhersteller die immense Marktnachfrage nicht befriedigen.
Zweitens: Die Investitionsumsetzungszyklen im Halbleiterbereich sind extrem lang. Am Beispiel des vor neun Jahren gestarteten „Yongin Semiconductor Cluster“ ist das erste Reinraumlabor erst fürFebruar 2027 geplant, und erst Ende des Jahres kann mit einer kleinen Produktion begonnen werden – tatsächlich dauert es vom Investment bis zur Produktionüber 10 Jahre. Nomura erwartet, dass der nun angekündigte Investmentplan frühestens in5 bis 10 Jahren einen substanziellen Einfluss auf den Markt haben wird. Die Einmischung der Regierung dient primär dazu, die Produktionscluster nach 2035 zu unterstützen, weil die bestehenden Cluster bald ausgelastet sind (Land, Strom, Wasser).
Drittens: Die Widerstandsmechanismen der Industrie gegenüber Risiken haben sich strukturell verändert. Unternehmen verfügen heute nicht nur über langfristige Abkommen (LTAs) als Absicherungsinstrumente, sondern profitieren auch von einer strukturellen Wachstumsprognose, die durch AI gestützt wird. Bonussysteme, die mit Gewinn verknüpft sind, fungieren als neue Puffer bei Überkapazitäten und Gewinnrückgängen. Unternehmen werden garantiert nicht blind investieren, nur weil die Regierung dies verlangt.
Analyse: Der zentrale Fehler des Marktes besteht darin,„Investitionsankündigung“ und „Kapazitätsrealisierung“ zu verwechseln. Die Halbleiterproduktion ist eine kapitalintensive Branche, deren Aufbau sehr viel Zeit benötigt; massive Investitionspläne wirken sich kurzfristig kaum auf das Angebot-Nachfrage-Verhältnis aus.Der Markt diskontiert potenzielle Angebote in 10 Jahren auf den heutigen Zeitpunkt – das ist ein klassischesÜberreaktion.
(2) Meta vermietet ungenutzte Rechenleistung: Kein Nachfragerückgang, sondern ausgereiftes Geschäftsmodell
Marktlogik der Besorgnis: Die Vermietung der AI-Rechenleistung durch Meta wird von einigen Kapitalgebern als Warnsignal für Überkapazitäten und einen Höhepunkt beim Hardwarebedarf gedeutet.
Nomuras Gegenargumentation (doppelte Beweisführung) :
Erstens: Die Vermietung von Rechenleistung ist die unvermeidliche Lösung für „Spitzenredundanzen“. Der Aufbau von Datenzentren muss zwangsläufig den Bedarf an Spitzenrechenleistung abdecken, was dazu führt, dass außerhalb von Spitzenzeiten und Saisons große Kapazitäten ungenutzt bleiben. Meta ist der einzige große Cloud-Betreiber ohne eigenes Cloud-Geschäft; die Vermietung von Überkapazitäten istvergleichbar mitdem Vorgehen von Amazon bei Gründung von AWS, um ungenutzte Infrastruktur monetarisierenzu können. Das ist ein natürlicher Schritt zur Reife des Geschäftsmodells und kein Symptom für sinkende Nachfrage.
Zweitens, sinkende Rechenkosten führen zum „Jevons-Paradoxon“. Nomura betont, dass Meta mit der Vermietung der Rechenleistung nicht etwa Hardware-Nachfrage schmälert, sondern durchsinkende Token-Kostendas Jevons-Paradoxon auslöst – das ökonomische Prinzip, dass sinkende Ressourcenkosten den Gesamtverbrauch erhöhen. Indem Meta die Preise für Rechenleistung erschwinglicher macht, könnte die freigesetzte Kapazitätneue Anwendungsbereiche im AI-Bereich erschließen und so die Gesamtnachfrage nach Speicherchips und Hardware erhöhen.
Analyse: Der zentrale Fehler des Marktes liegt darin,„Überkapazitäten bei einem Unternehmen“ mit „Spitzenbedarf im gesamten Sektor“ gleichzusetzen. Wie Kommentator Jay Yoon betonte:„Unsere Rechenkapazitäten sind weiterhin gravierend unterversorgt. Es handelt sich um ein Verteilungsproblem." Bestimmte Akteure halten aufgrund ihrer eigenen Modellanforderungen überschüssige Chips, das ist kein Indikator für eine Überversorgung im gesamten Markt. Metas Eintritt könnte vielmehr, durch Wettbewerb die Preise senken und die Verfügbarkeit von AI-Anwendungen steigern,die Rechenkapazitäten insgesamt erhöhen statt verringern.
II. Investitionsanalyse
1. Nomuras zentrale Schlussfolgerung
Nomura kommt zusammenfassend zu dem Schluss:Das zentrale Problem im globalen Speichersegment ist weiterhin gravierender Mangel, das strukturelle Wachstum getrieben durch AI ist noch nicht am Höhepunkt.Sorgen vor Überangebot sind zwar verständlich, aberdeutlich übertrieben; die überreagierende Marktphase könnte ein Fenster für eine Neubewertung des Speichersegments eröffnen..
Diese Einschätzung entspricht Nomuras bisherigen Analysen:
Nomura erwartet im zweiten Quartal 2026 einen Anstieg der DRAM- und NAND-Preise um51% bzw. 50%, ein „quantensprungartiger“ Anstieg gegenüber früheren Prognosen von 6% und 20%.
Nomura erwartet im Jahr 2026 einen Anstieg der DRAM- und NAND-Nachfrage um je30%, die HBM-Nachfrage soll um63% steigen.
Nomura hat im Bericht vom 24. Juni das Kursziel für SK Hynix um 18% von 4 Mio. auf 4,7 Mio. Won angehoben unddas Kursziel für Samsung Electronics bei 670.000 Won belassen (zuvor bereits von 590.000 angehoben).
2. Wichtige Beobachtungssignale
Nomura betont, das wichtigste Signal für Investoren istMetas Guidance für Kapitalausgaben: Eine Anhebung würde das Narrativ einer „Rüstungswettlauf“ bestätigen – was Nvidia und den Speicherherstellern zugute käme; eine Senkung würde die bärische Logik bestätigen.
3. Risikohinweise
Zu beachten ist, dass Nomuras optimistische Einschätzung auf der Annahme eineranhaltend starken AI-Nachfrage basiert. Sollte die AI-Kapitalausgabe substanziell zurückgehen oder sich die HBM-Technologiestrategie grundlegend ändern, könnte sich das derzeitige Spannungsverhältnis bei Angebot und Nachfrage umkehren. Zudem könnte Metas Einstieg ins Geschäft der Rechenleistungsvermietung den Preisdruck für neue Cloud-Anbieter wie CoreWeave erhöhen und deren schuldengetriebenes Geschäftsmodell unter Druck setzen– dies betrifft zwar nicht direkt die Nachfrage nach Speicherchips, könnte aber Kettenreaktionen in der Wertschöpfungskette auslösen.
III. Fazit und Ausblick
Die Analyse von Nomura Securities über die „zwei großen Negativfaktoren im Speicherbereich“ ist im Wesentlichen eineKorrektur der Marktüberschätzung von „ferner Versorgung“ und „lokaler Überkapazität“:
| Südkoreas massiver Ausbau | Potenzielle Versorgung in 10 Jahren wird auf heute diskontiert | Kapazitäten realisieren sich erst in 5-10 Jahren, derzeit besteht gravierende Unterversorgung |
| Meta vermietet Rechenleistung | Überkapazitäten eines Unternehmens werden als Branchenspitzen interpretiert | Ausgereiftes Geschäftsmodell + Jevons-Paradoxon, Nachfrage wird sogar ausgeweitet |
Nomuras zentrale Investmentlogik lautet:Der Speicherbereich befindet sich in einem AI-getriebenen strukturellen Superzyklus, die kurzfristige Fehlbewertung bietet ein Fenster zur Neubewertung.Ob sich diese These bestätigt, hängt davon ab, ob die AI-Investitionen nachhaltig weitergeführt werden – entscheidend dafür ist Metas Guidance zur Kapitalausgabe.
Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.
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